„Ethanol ist der Treibstoff der Zukunft.“ Das sagte sogar schon Henry Ford Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute ist Ethanol aus Biomasse zu einem Problem geworden. Der Biosprit-Boom sorgt für Zündstoff in der Diskussion um die globale Lebensmittelkrise und für Verunsicherung bei den Verbrauchern. Was ist dran an der Biosprit-Panik? Wir haben das Prinzip Biosprit untersucht und mit zwei Fachleuten gesprochen.

Bio-Zapfsäule Ethanol

Ethanol ist – industriegeschichtlich gesehen – der Ur-Sprit. Der Prototyp des von Nikolaus Otto gebauten ersten Verbrennungsmotors wurde damit betrieben. Auf Benzin aus raffiniertem Rohöl stieg man erst um, als sich herausstellte, dass der Alkohol aufgrund seiner hohen Brennbarkeit ein Sicherheitsrisiko für Automobilisten darstellte. Außerdem war Öl in Massen vorhanden und sollte sich durch rasch steigende Nachfrage zum Absatzgaranten entwickeln. Eine Rechnung, die aufging.

Was ist das überhaupt – Biosprit?

Liest man heute über die Probleme durch den so genannten Biosprit, ist damit Ethanol aus Biomasse gemeint. Seltener wird auch der Begriff Agraralkohol verwendet. Die Produktion des Kraftstoffs basiert auf dem Prinzip, aus stärkehaltigen Pflanzen wie Zuckerrohr, Raps oder Mais mithilfe von Enzymen Glukose zu gewinnen, die anschließend zu Ethanol vergoren wird. Befürworter von Biosprit betonen, dass die Rohstoffe, die für die Produktion benötigt werden, im Gegensatz zur endlichen Ressource Erdöl nachwachsen und somit theoretisch endlos verfügbar sein könnten.

Neuere Herstellungsmodelle, die so genannten Biokraftstoffe der zweiten Generation, werden aus Energieträgern gewonnen, die nicht zwingend Nahrungsmittel sind. Das können zum Beispiel Sägespäne sein, aber auch Stroh oder schnell wachsende Algenarten. Wegen des erhöhten Oktanwertes haben mit Ethanol betriebene Motoren eine höhere Leistung als solche, die mit konventionellem Sprit betrieben werden.

Bio? klingt doch gut – wo ist das Problem?

Es gibt zwei Aspekte, die die Produktion von Biosprit problematisch machen. Zum einen die ökologischen Probleme: Bei der Vergärung von Glukose zu Ethanol fällt Kohlendioxid als Nebenprodukt an. Zwar wird beim Pflanzenwachstum auch CO2 durch Photosynthese gebunden, aber dieser Vorteil wird durch Anbaumaßnahmen wettgemacht, da zum Beispiel durch die Düngung das klimaschädliche Distickstoffmonoxid (N2O oder „Lachgas“) entsteht.

Hinzu kommen die Auswirkungen, die durch Monokulturen entstehen. Hoher Wasserverbrauch, Grundwasserbelastungen durch Düngung, hoher Flächenverbrauch bis hin zur Rodung von Regenwald-Arealen und nicht zuletzt die Einschränkung der Artenvielfalt.

Zum anderen die sozialen Probleme: Durch große Nachfrage wird der Preis für die Rohstoff-Pflanzen in die Höhe getrieben, was besonders für ärmere Länder katastrophale Folgen hat. Greenpeace rechnet vor: Aus 100 Kilogramm Getreide lassen sich etwa 100 Kilogramm Brot herstellen, aber nur 25 Liter Biosprit. Demzufolge ernährt ein Hektar Getreideanbaufläche etwa 18 Menschen für ein Jahr oder betreibt den Motor eines Durchschnittsfahrzeugs für den gleichen Zeitraum. Bekannt wurde dieses Problem durch die so genannte „Tortillakrise“ in Mexiko, wo der Preis für das Grundnahrungsmittel Mais durch die Biospritnachfrage in den USA explodierte und dadurch Millionen von Menschen die Ernährungsgrundlage entzogen wurde.

Soll ich jetzt Biosprit tanken oder nicht? Lest mehr.

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