Als Marktführer für Fisch und Meeresfrüchte in Deutschland macht sich „Deutsche See“ für eine nachhaltige Fischwirtschaft stark. Nur so wird es auf Dauer möglich sein, hochwertigen Fisch auf die Teller zu bringen und zugleich die Bestände zu erhalten. Utopia hat mit Andreas Lippmann gesprochen, dem Experten für Bio-Fisch bei Deutsche See.

Herr Lippmann, in zwei Sätzen: Was ist der größte Unterschied zwischen einem Bio-Fisch und einem normalen Fisch?
Ganz klar: Ein Bio-Fisch ist immer gezüchtet – und zwar in einer ökologischen Aquakultur, in der bestimmte Parameter für die Aufzucht streng definiert sind. Das fängt bei den Elterntieren an, die nicht genmanipuliert sein dürfen, und reicht vom Futter ohne Hormon- oder Farbstoffzusätze bis hin zu einer Wasserqualität, die an Trinkwassser heranreichen muss.

In der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftwoche wurde über Aquakulturen als „Massentierhaltung unter Wasser“ berichtet. Eine Zeitlang geisterte der Lachs als „Schwein des Meeres“ durch die Medien. Was halten Sie von diesen Vergleichen?
Leider gibt es auch bei den Aquakulturen schwarze Schafe, ich habe Betriebe außerhalb der EU gesehen, in denen hätte man auf den Becken laufen können, weil sie so vollgestopft mit Fischen waren. Da werden dann 120 bis 170 Kilo Fisch pro Kubikmeter Wasser zusammengepfercht, wo bei den ökologischen Aquakulturen von Deutsche See gerade mal 10 Kilo Fisch erlaubt sind.

Zu den Grundsätzen der ökologischen Aquakultur gehört es, dass Bio-Fisch und -Meeresfrüchte nur Futter erhält, dass aus Fischen hergestellt ist, die für den menschlichen Verzehr gefangen wurden. Wie sieht den Futter aus, das nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist?
Haben Sie schon mal von Gammelfischerei gehört? So nennt man die Fischerei auf Futterfisch. Speziell zu diesem Thema haben wir im Rahmen des Projekts „Meer Verantwortung“ eine Aktion laufen: „Stop discard“. Mit Discard bezeichnet man die von der EU vorgeschriebene Vernichtung des Beifangs. Heißt: Was ungeplant im Netz landet, wird über Bord geworfen. Darüber hinaus müssen Fischer auch die Fische wieder über Bord werfen, die sie gefangen haben, obwohl sie ihre Quote für die entsprechende Art schon ausgeschöpft haben. So wird wertvoller Fisch tonnenweise – meist tot – zurück ins Meer geworfen. Dieser ganze Fisch geht nicht nur den Beständen als Nachwuchs verloren – er wird auch noch ungenutzt weggeworfen, anstatt als wichtiges Lebensmittel gewürdigt zu werden. Nationen mit nachhaltigem Bestandsmanagement wie Norwegen und Island haben für ihre Fischer ein totales Discard-Verbot erlassen. Für jedes einzelne Fangschiff sind wissenschaftlich festgelegte Fangquoten definiert. Das bedeutet: Alles, was sie fangen, wird an Land gebracht, registriert und berechnet, jeder Fisch wird genutzt und wert geschätzt, keiner wird verschwendet. Darum setzt sich Deutsche See auch in Deutschland stark für den Stopp dieser kranken „Discard-Praxis“ ein.

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