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Die wollen doch nur spielen. Und zwar mit unserer Gutmütigkeit: Wenn Konzerne sich ein grünes Image kaufen, um damit die graue Realität der eigenen Umweltsünden zu kaschieren, dann sprechen wir vom „Greenwashing“. Mit gekauften Experten und Studien, ausgestattet mit Geld, Medienmacht und Beziehungen erschaffen sie die Illusion vom nachhaltigen Unternehmen. Wer seine schmutzige Weste unserer Meinung nach am grünsten wäscht, verrät die Utopia-Top 10.

Ich freu mich auf Eure Top 10.

Und wer noch mehr Grünwäscher – Kandidaten hat, immer gern her damit.


beyond petroleum*


Noch Mitte der neunziger Jahre galten die beiden Großbuchstaben BP als Synonym für Umweltkatastrophen und Menschenrechtsverletzungen. Heute ziert ein Sonnensymbol das Firmenlogo und aus „British Petroleum“ wurde kurzerhand „beyond petroleum“. 1999 kaufte BP für 45 Millionen Dollar die Solarex Solar Energy Corporation auf und wurde mit einem Schlag zum größten Solarenergieproduzenten der Welt. Ein Jahr später wurde die Agentur Ogilvy & Mather mit dem professionellen Imagewandel beauftragt und seitdem propagiert bp sein Engagement für die Umwelt. Von einem wirklichen Umdenken ist der Konzern jedoch weit entfernt: In den ersten neun Monaten des Jahres 2007 machte bp einen Vorsteuergewinn von rund 20,5 Milliarden Dollar – mehr als 19 Milliarden davon kommen aus der Förderung und Verarbeitung von Öl. Die Umwelt- und Menschenrechtsbilanz des Unternehmens bleibt dabei nach wie vor katastrophal: Ende 2007 bezahlte bp die größte je in den USA verhängte Strafe für Umweltverbrechen. 62 Millionen Dollar waren vor allem für die Explosion einer Raffinerie in Texas zu zahlen, bei der 15 Menschen getötet wurden. In Alaska liefen mehr als 750 Kubikmeter Öl aus, mit verheerenden Folgen für Pflanzen und Lebewesen der Tundra. Fast drei Milliarden Dollar investierte bp in die Exploration der zweitgrößten bekannten Erdölquelle der Welt in Kanada. Die Förderung der dort vorliegenden Ölsände erzeugt vier mal mehr Kohlendioxid als übliche Bohrungen. Umweltschützer bezeichneten das Vorgehen bp´s als „größtes Umweltverbrechen der Menschheitsgeschichte“.

Deutsches Atomforum


Wenn Atommeiler in lieblicher Landschaftsumgebung dargestellt und als „Klimaschützer“ bezeichnet werden, dann steckt die Lobbyorganisation der deutschen Atomenergieindustrie dahinter. Das Herz des Deutschen Atomforums hängt jedoch weniger an unserer Umwelt als an satten Profiten: Pro Tag bringt jede der 17 deutschen Atomanlagen im Schnitt rund eine Million Euro ein. Die begleitende Seite http://www.klimaschuetzer.de erklärt: „Mehr als ein Viertel des deutschen Stroms … wird aus Kernenergie gewonnen – klimafreundlich ohne CO2-Ausstoß. In den sichersten und zuverlässigsten Kernkraftwerken der Welt“. Tatsächlich emittieren Atomkraftwerke einer aktuellen Studie zufolge schon heute bis zu einem Drittel so viel Kohlendioxid wie Gaskraftwerke, rechnet man die Uranförderung und den Atommüllabtransport mit ein. Und die alten Probleme bleiben: Seit Beginn der zivilen Nutzung von Atomkraft wurden 300.000 Tonnen radioaktives Material angehäuft – bis heute gibt es keine befriedigende Lösung für die Lagerung des gefährlichen Giftmülls. Wie „zuverlässig“ die Atomanlagen sind, zeigten die jüngsten Störfälle beim Betreiber Vattenfall. Dennoch steht der für Deutschland beschlossene Atomausstieg bis zum Jahr 2021 derzeit auf der Kippe: Angesichts der dringenden Gefahr des Klimawandels und der kostengünstigen Produktion von Atomstrom sprachen sich die G8-Länder in Japan für den Weiterbetrieb und Neubau von Atommeilern aus. Mit seiner historischen Entscheidung gegen die Atomkraft ist Deutschland auf internationaler Bühne isoliert, ein Einknicken der aktuellen Bundesregierung droht.

BMW*


Gemeinsam mit Daimler und Porsche holte sich BMW den „Worst EU Lobbying Award“ ab, weil das Trio in Brüssel die Höchstwerte für den CO2-Ausstoß von Neuwagen beeinflusste. Die Unternehmen hätten Panik verbreitet und mit Fabrikschließungen und dem Verlust von Arbeitsplätzen gedroht, urteilte die Jury. Als Ergebnis der Lobbyarbeit der drei Autohersteller schwächte die Kommission ihre Vorgaben von 120 auf 130g Kohlendioxid pro Kilometer bis zum Jahr 2012 ab. BMW ist diesem Ziel mit durchschnittlich 192g/km pro Auto noch weit entfernt. In einer aktuellen Studie über den Kohlendioxid-Ausstoß europäischer Autohersteller rangieren die Bayern gar auf dem vorletzten Platz. Da fragt man sich doch, was der Autokonzern dem Verbraucher mit seiner Initiative „BMW CleanEnergy“ sagen möchte. Die bezieht sich nämlich auf die hauseigenen Wasserstoff-Fahrzeuge, eine hübsche PR-Flotte mit gerade mal rund 100 Fahrzeugen. Trotz dreißigjähriger Forschungsarbeit brachte BMW die Technologie bis heute nicht über das Versuchsstadium hinaus. Mal ganz abgesehen davon, dass Wasserstoff-Autos überhaupt nur dann „clean“ sind, wenn der getankte Wasserstoff auch klimaschonend gewonnen wird.

Bayer*


Seit 2004 kooperiert die Bayer AG mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP). Mit einer Million Euro im Jahr unterstützt Bayer die Jugendarbeit der Umweltbehörde, ungeachtet der Tatsache, dass der Chemie- und Pharmakonzern weiterhin Pestizide herstellt und wegen seines Engagements für gentechnisch verändertes Saatgut kritisiert wird. Die Tochterfirma Bayer CropScience setzt sich für den Anbau der tropischen Ölpflanze Jatropha eine, die als Kraftstoff-Pflanze äußerst gefragt ist. Allerdings soll die Ölfrucht auch auf Standorten angebaut werden, die von der lokalen Bevölkerung als Weideland und zur Sammlung von Nutzpflanzen gebraucht werden. Jatropha-Plantagen würden die Bevölkerung von ihrem gemeinschaftlich genutzten Land vertreiben, Armut und Hunger wären die Folge. Wegen seiner Giftigkeit für Mensch und Tier wurde Jatropha zudem in manchen Ländern verboten. Auch gentechnisch verändertes Saatgut wird von BayerCropScience vertrieben. Herbizidresistentes Saatgut in Verbindung mit dem jeweiligen Agrogift trägt jedoch erheblich zur Vernichtung von biologischer Vielfalt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie zur Bodenerosion bei.

Deutscher Braunkohle-Industrie-Verein (DEBRIV)


Auf halbseitigen Anzeigen etwa in der ZEIT spannt der DEBRIV Experten ein, die sich mitunter nicht immer freiwillig für den Erhalt der Kohleenergie stark machen. Ein Schweizer Journalist, angeblich im Auftrag der Neuen Zürcher Zeitung unterwegs, entlockte dem US-Klimaexperten Robert Socolow Zitate, ohne den Zusammenhang zu der Infokampagne der Lobbyisten herzustellen. Ein Teil der Emissionssenkungen, die in den nächsten 50 Jahren geschehen müssten, könne “die Installation von Systemen zur CO2-Abtrennung und -Speicherung” erbringen, erklärte Socolow. Allerdings wird diese Technik frühestens 2020 einsatzfähig sein. Schon heute aber wollen Mitgliedsfirmen des DEBRIV wie Mibrag, RWE oder Vattenfall in Deutschland neue Kohlekraftwerke bauen – die dann auf Jahrzehnte riesige Mengen Kohlendioxid ausstoßen werden. Auf Nachfrage des „Klima-Lügendetektors“ stellte Socolow klar: „Nein, ich unterstütze den Bau neuer Kohlekraftwerke nicht, wenn sie keine CO2-Abscheidetechnik besitzen und es keinen verlässlichen Plan zur Lagerung des Kohlendioxids gibt.” Die neuen Kohlekraftwerke, um die RWE, Vattenfall & Co derzeit verbissen kämpfen, werden jedenfalls ohne jede CO2-Abscheidung gebaut. Damit ist Braunkohle nach wie vor die klimaschädlichste Energiequelle.

Vattenfall*


„…stellt neue Projekte zu Algen, Wind und Biomasse vor“, „… plant 700 Kilowatt Biogasanlage“, „…nimmt 100. Solaranlage in Betrieb“ – die grüne PR-Maschine beim schwedischen Energierzeuger läuft rund und die Medien spielen gnädig mit. Nur sind die öffentlichkeitswirksamen Aktionen ein Jux gegen Vattenfalls Klimakiller in Boxberg, Jänschwalde und Schwarze Pumpe – drei der zehn klimaschädlichsten Kraftwerke Deutschlands. Gerne geht der Konzern auch in Schulen, um den lieben Kindern das Energiesparen beizubringen. Dumm nur, dass das Verwaltungsgebäude des Konzerns in Cottbus jede Nacht hell erleuchtet ist wie ein überdimensionierter Weihnachtsbaum. Vattenfall ist verantwortlich für massive Treibhausgas-Emissionen und gravierende Umweltschäden in den ostdeutschen Braunkohlegebieten. Dessen ungeachtet mischt der Konzern seit Neustem lautstark in der Klimadebatte mit: Anfang 2007 hob Vattenfall die 3C-Initiative (Combat Climate Change) aus der Taufe, die große Unternehmen wie E.on, EnBW sowie die AKW-Bauer Siemens, Alstom und General Electric „zum Schutze des Klimas“ zusammenbringen soll. Tatsächlich will 3C die politischen Maßnahmen gegen den Klimawandel möglichst unternehmensfreundlich gestalten. In die Schlagzeile geriet Vattenfall bereits im Juli 2007, als es zu zwei Bränden in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel kam. Satte 200.000 Kunden kehrten Vattenfall damals den Rücken – kein Wunder, das der Konzern sich um ein neues, sauberes Image bemüht.

BAE Systems


Das globale Rüstungs- und Luftfahrt-Unternehmen entwickelt Waffen und Technologien für militärische Zwecke. Ende 2006 begann BAE Systems damit, minimale Umweltverbesserungen in ihrer Produktion von Waffen und Militärtechnologien zu bewerben. Das Unternehmen macht großen Wirbel um seine ethische und ökologische Bilanz, um massiver negativer Berichterstattung über Korruption und unangemessenen Einfluss auf Regierungsentscheidungen entgegenzuwirken. Immerhin: Die Munition von BAE ist jetzt bleifrei.


Airbus & Lufthansa*


Auch hier zeigt sich das Produkt vor dem Hintergrund unberührter Natur: Achtung, hier schwebt der grüne Airbus durch die Landschaft. Der Werbetext darunter erklärt, dass ein Flug mit dem A380  weniger CO2 produziert als ein gewöhnliches Familienauto. Leider vergisst Airbus den Faktor der Entfernung zu erwähnen: Bei der Überquerung des Atlantiks mit Hin- und Rückflug verbraucht jeder Passagier die gleichen Emissionen wie ein durchschnittliches Auto in einem ganzen Jahr! Auf Grund anderer chemischer Reaktionen in großer Höhe haben Flugemissionen auf den Klimawandel außerdem eine 2,7 mal höhere Auswirkung als solche CO2-Emissionen die am Boden entstehen. Der Flugverkehr ist in der Europäischen Union die am schnellsten wachsende Quelle von Emissionen. Die deutsche Lufthansa wird in ihrer Werbung noch konkreter mit ihren Lügen: Die Branche sei für nur 1,6 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Unabhängige Experten gehen dagegen von 4 bis 9 Prozent aus. Die Europäische Kommision will die Luftfahrt zum Emissionshandel verpflichten, wogegen sich Unternehmen wie die Lufthansa mit Händen und Füßen zur Wehr setzen.

Burson-Marsteller


Ein Unternehmen wäscht immer nur so grün, wie die Agentur, die hinter der Kampagne steckt. In der Branche der Verdreher und Blender ist die 1953 in den USA gegründete PR-Firma Burson-Marsteller der traurige Marktführer. Gründer Harald Burson beriet schon den chilenischen Diktator Augusto Pinochet und besserte in den siebziger Jahren das Image der argentinischen Militärjunta auf. Auch ums Klima kümmert sich Burson-Marsteller seit Jahren rührend: vor gut zehn Jahren schuf das PR-Unternehmen im Auftrag von verschiedenen US-Ölfirmen wie Exxon, Texaco, Chevron und Autoherstellern wie Ford und General Motors die Global Climate Coalition (GCC) und lancierte deren Klimakampagne. Die GCC agierte als unabhängige Organisation im Stil einer nichtstaatlichen Organisation und hatte nur ein Ziel: die Gefahren der Klimaerwärmung herunterzuspielen. Seit dem Niedergang der GCC intensiviert Burson-Marsteller das AKW-Lobbying und argumentiert für den Klimaschutz – weil er nun dazu dient, den Atomkraftwerken ein freundliches Image zu verpassen. Weitere Namen auf der Kundenliste: Union Carbide (nach dem Giftskandal im indischen Bhopal), Exxon (nach der Tankerkatastrophe in Alaska) oder Babcock & Wilcox (nachdem ihr Atomreaktor in Three Miles Island fast durchgeschmolzen wäre).

Die Ökozertifizierung


Das europäische Zertifikat Emas oder die internationale Zertifizierung nach ISO
14001 gelten für den Nachweis eines betrieblichen Umweltmanagementsystems. Überprüft werden die Umweltleistungen von externen Gutachtern, die allerdings auf Folgeaufträge angewiesen sind. Die Unternehmen bestimmen dabei selbst ihre Umweltleitlinien und –ziele. Feste Vorgaben gibt es nicht, allerdings soll es eine kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistungen geben. Dabei kann es um ein verbessertes Recyling im Unternehmen gehen, energiesparende Beleuchtung oder
Naturschutzprojekte auf dem Werksgelände. Die Ökozertifikate schließen aber weitreichende umweltschädliche Produktionsfolgen nicht aus – so hat u.a. die Urananreicherungsanlage Urenco in Gronau ihren Betrieb Emas-zertifiziert und das französische Atomkraftwerk Fessenheim ist mit der ISO ausgezeichnet.

*Diese Unternehmen stehen nur stellvertretend für ganze Branchen, die der Umwelt an die Wäsche wollen. Wie im Beitrag z.T. beschrieben, vereinen sich sonstige Wettbewerber im Kampf gegen Umweltauflagen und drohende Geschäftsverluste zu mächtigen Kooperationen und scheinbar unabhängigen Lobbygruppen.

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Reklamepost im Briefkasten nervt nicht nur, sie verbraucht auch jede Menge Papier, das meist ungelesen in der Tonne landet. Pro Haushalt und Altpapiertonne sind das bis zu 100 Kilo Papiermüll im Jahr. Die unerwünschten Mailings kann man sich vom Hals halten: Über einen Eintrag in der Robinsonliste.

Das geht ganz einfach: Per Fax oder Brief eintragen in die Schutzliste des
Deutschen Direktmarketing Verband e.V, die sogenannte Robinsonliste. In diese Liste kann sich jeder eintragen lassen, der keine adressierten Werbebriefe von Unternehmen erhalten möchte, bei denen er kein Kunde
ist oder ausdrücklich der Zusendung zugestimmt hat. Dabei kann man sich aussuchen, ob man gar keine personalisierte Reklamepost mehr bekommen möchte oder nur von bestimmten Branchen nicht. Und: es funktioniert.

Auch unadressierte Werbung wie Supermarktprospekte und die inhaltsleeren Werbezeitungen kann man seinem Briefkasten natürlich ersparen, mit einem Aufkleber: „Bitte keine kostenlosen Zeitungen und keine Werbung einwerfen“.

Zur Robinsonliste und weiteren interessanten Infos kommt ihr hier.

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