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Lust auf einen Schluck Ginseng-Wurzel, Sternfrucht-Lotusblüte, Drachenfrucht oder Kaktus-Birne? Kaum jemand würde diese Zusätze pur ins Glas schwappen lassen. Als Aroma im Mineralwasser sind sie aber die Renner in jedem Getränkemarkt: Um 60 Prozent stieg der Absatz allein im Jahr 2006. Utopia-Mitarbeiterin Kathrin Schmid hat sich ein paar Gläser eingeschenkt.

In rosé, zartgelb, oder mit leichtem Grünstich schimmernd stehen die „Near Water-Produkte“ (zu dt. „nah am Wasser“) im Regal und lassen normales Wasser blass aussehen. Erfolgsgarant: der versprochene gesundheitliche Zusatznutzen. „Alles-Könner“, die Körper, Seele und Geist erreichen, beleben und in Einklang bringen. Gekennzeichnet durch Schlagwörter wie Sport, activ, fresh, vital, Wellness, Harmonie, Balance, relax oder Energy.

Ob Vöslauer Balance, mit Erdbeer-Pfeffer oder Birne-Kaktus, Adelholzener Apple Passion oder Gerolsteiner Moment Grüntee & Traube. Der wassernah-inspirierte Aktionismus scheint unerschöpflich, die Absurdität der Geschmacksrichtungen grenzenlos. Gerolsteiner Linée soll „Vitalitätsbremsen“ lösen, Hella verspricht den Konsumenten ein ganzheitliches Wohlbefinden. Mit Adelholzener active beuge man Osteoporose vor. Und Ginko und Ginseng sollen die mentale Fitness stärken.

Viele Hersteller, unzählige Sorten – die klangvollen Versprechen sind schließlich die Gleichen: Wasser mit Zusätzen von grünem Tee, Aloe Vera, Guarana, exotischen Fruchtextrakten, Kräuteressenzen oder Vitaminen sorgen für ein angenehmes Körpergefühl, innere Ausgeglichenheit und vitales Aussehen. Allerdings sind Verbraucherschützer nicht auf den Geschmack gekommen: Near Water-Getränke enthalten winzige Mengen an Vitaminen, Frucht- und Kräuterextrakten. Viel zu gering, um auch nur einen Hauch von gesundheitlichem Zusatznutzen zu bringen. Der Fruchtsaftgehalt bewegt sich zwischen null und fünf Prozent. Verantwortlich für den Geschmack sind künstliche Aromen. Hinzu kommen Konservierungsstoffe, verschiedene Zuckerarten oder Süßstoffe. Häufig werden die Getränke auch mit Fruktose gesüßt. Dann können sie als Diätgetränke deklariert werden; sind damit pfand- aber lange nicht kalorienfrei. Die meisten „Super-Wasser“ haben zwischen 150 und 250 Kilokalorien pro Liter – teilweise auch bis zu 300 kcal. AOK-Forscher haben bei einigen Produkten aus dem Near Water-Portfolio sogar eine Zuckermenge identifiziert, die 21 Würfeln pro Liter entspricht. Über die entsprechende Kalorienbilanz versucht das 90-60-90-Design vieler Near Water-Flaschen hinweg zu täuschen.

Bei dem ganzen Schnickschnack bekommt der kritische Konsument schnell den Eindruck, ganz normales Wasser komme nur noch aus der Leitung. Fast eine Ironie, dass die meisten Near Water-Getränke aus normalem, teilweise mit Kohlensäure versetztem Trinkwasser hergestellt werden. Und zwar ohne elementar wichtige Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium.
Die Near Water-Welle: ein verzichtbarer Wellness-Wasser-Wahnsinn, der jedoch gelegentlich für Abwechslung im Glas sorgen kann. Dabei muss gelten: nichts erwarten und sich höchstens von der „Versprechung“ inspirieren lassen, mit Mango, Papaya. Litchi und Concorde-Traube aufgejazztes Wasser brächte etwas Sonne in den Alltag.

Hier gehts weiter mit einem Interview mit der Ökotrophologin Andrea Gahler.

Als Marktführer für Fisch und Meeresfrüchte in Deutschland macht sich „Deutsche See“ für eine nachhaltige Fischwirtschaft stark. Nur so wird es auf Dauer möglich sein, hochwertigen Fisch auf die Teller zu bringen und zugleich die Bestände zu erhalten. Utopia hat mit Andreas Lippmann gesprochen, dem Experten für Bio-Fisch bei Deutsche See.

Herr Lippmann, in zwei Sätzen: Was ist der größte Unterschied zwischen einem Bio-Fisch und einem normalen Fisch?
Ganz klar: Ein Bio-Fisch ist immer gezüchtet – und zwar in einer ökologischen Aquakultur, in der bestimmte Parameter für die Aufzucht streng definiert sind. Das fängt bei den Elterntieren an, die nicht genmanipuliert sein dürfen, und reicht vom Futter ohne Hormon- oder Farbstoffzusätze bis hin zu einer Wasserqualität, die an Trinkwassser heranreichen muss.

In der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftwoche wurde über Aquakulturen als „Massentierhaltung unter Wasser“ berichtet. Eine Zeitlang geisterte der Lachs als „Schwein des Meeres“ durch die Medien. Was halten Sie von diesen Vergleichen?
Leider gibt es auch bei den Aquakulturen schwarze Schafe, ich habe Betriebe außerhalb der EU gesehen, in denen hätte man auf den Becken laufen können, weil sie so vollgestopft mit Fischen waren. Da werden dann 120 bis 170 Kilo Fisch pro Kubikmeter Wasser zusammengepfercht, wo bei den ökologischen Aquakulturen von Deutsche See gerade mal 10 Kilo Fisch erlaubt sind.

Zu den Grundsätzen der ökologischen Aquakultur gehört es, dass Bio-Fisch und -Meeresfrüchte nur Futter erhält, dass aus Fischen hergestellt ist, die für den menschlichen Verzehr gefangen wurden. Wie sieht den Futter aus, das nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist?
Haben Sie schon mal von Gammelfischerei gehört? So nennt man die Fischerei auf Futterfisch. Speziell zu diesem Thema haben wir im Rahmen des Projekts „Meer Verantwortung“ eine Aktion laufen: „Stop discard“. Mit Discard bezeichnet man die von der EU vorgeschriebene Vernichtung des Beifangs. Heißt: Was ungeplant im Netz landet, wird über Bord geworfen. Darüber hinaus müssen Fischer auch die Fische wieder über Bord werfen, die sie gefangen haben, obwohl sie ihre Quote für die entsprechende Art schon ausgeschöpft haben. So wird wertvoller Fisch tonnenweise – meist tot – zurück ins Meer geworfen. Dieser ganze Fisch geht nicht nur den Beständen als Nachwuchs verloren – er wird auch noch ungenutzt weggeworfen, anstatt als wichtiges Lebensmittel gewürdigt zu werden. Nationen mit nachhaltigem Bestandsmanagement wie Norwegen und Island haben für ihre Fischer ein totales Discard-Verbot erlassen. Für jedes einzelne Fangschiff sind wissenschaftlich festgelegte Fangquoten definiert. Das bedeutet: Alles, was sie fangen, wird an Land gebracht, registriert und berechnet, jeder Fisch wird genutzt und wert geschätzt, keiner wird verschwendet. Darum setzt sich Deutsche See auch in Deutschland stark für den Stopp dieser kranken „Discard-Praxis“ ein.

Mehr zum Thema hier.

Auch so ein Dilemma: Ist Fischessen eigentlich noch in Ordnung? „Nein, aber“ könnte man sagen. Denn: Wenn schon Fisch, dann mit Zertifikat.

Fisch ist ein Dauertrend in der „leichten Küche“ und der Gastronomie. Während Sushi vom Yuppie-Häppchen zum japanischen Dönerkonkurrenten aufgestiegen ist, hören wir weiterhin die jahrzehntealte gleiche Leier der Ernährungswissenschaftler, Fisch sei nicht nur schmackhaft, sondern auch besonders gesund, gelten Fische doch als optimale Lieferanten von Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und „guten“ Fettsäuren. Das ist sicherlich nicht falsch, aber was hilft es, wenn die Fischbestände weiter derart schrumpfen, dass die für viele Millionen Menschen wichtigste Eiweißquelle in nicht allzu ferner Zukunft versiegt? Auf Sushi oder auch Pizza Tonno könnte die Menschheit wahrscheinlich verzichten, doch nach Auffassung von Fischereiexperten könnte Meeresfisch schon im Jahr 2050 als Nahrungsquelle komplett ausfallen. Zuvor allerdings wird es wohl die Menschen in den Entwicklungsländern treffen: Schon heute fischen die Flotten der EU vor der Westküste Afrikas den heimischen Fischern die Beute weg.

[Ergänzung dazu vom 22.6.: Die internationale Hilfsorganisation Action Aid warnt in einem neuen Bericht, dass der industrialisierte Fischfang Mangelernährung verschärfe. Link zum Bericht (in englischer Sprache): http://www.actionaid.org/main.aspx?PageID=1114%5D

Das klingt böse und das ist es auch. Finanziert wird das über die Subventionspolitik der EU, also durch die Steuerzahler. Mit Milliardensubventionen wurden die europäischen Fischerboote zu Hightech-Fang- und -Verarbeitungsmaschinen mit ausgesprochen effizienten Suchsystemen aufgerüstet. Die intensive Jagd bis in über 2000 Metern Tiefe sorgt dafür, dass die Fischbestände keine Gelegenheit mehr erhalten, sich zu regenerieren. Noch bevor sie sich fortpflanzen können, landen sie an Bord. Die industrielle Fischerei hat auf diese Weise den Bestand der Speisefische in den Weltmeeren seit 1950 um fast 90 Prozent reduziert.

Nicht nur Umweltverbände, auch die Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen warnt vor der Überfischung der Meere. In ihren Fischereibericht (State of the World Fisheries and Aquaculture) aus dem Jahr 2007 etwa schreibt sie, ein Viertel aller Meeresfisch-Bestände seien in einem bedenklichem Zustand und über die Hälfte der Bestände würden bereits heute derart intensiv genutzt, dass keine Steigerung mehr möglich sei. Die intensiven Fischereimethoden, vor allem die berüchtigten Grundschleppnetze, zerstören darüber hinaus Strukturen der Meeresböden samt ihrer Bewohner, darunter die Fischbrut und deren Nahrungsgrundlage. Neben den gewünschten „Zielfischen“ geraten auch jede Menge unerwünschter Tiere in die Netze oder an die Haken,: Meeressäuger, Schildkröten oder Seevögel. Bis zu zwei Drittel ihres Fangs ziehen die Trawler als „Beifang“ an Bord, der tot oder sterbend zurück ins Meer geworfen wird oder als Fischmehl in der Tiermast landet. Beim Fang von Scholle und Seezunge im Nordostatlantik werden laut WWF etwa bis zu 80 Prozent der Tiere im Netz „wie nutzloser Müll einfach über Bord geworfen“.

Mehr Infos findet ihr hier.

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